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Beispiel für einen Abnahmetestplan

Ein ausgearbeiteter Plan mit Testfällen, Rollen und Abnahmekriterien zeigt, wie Sie ein Webprojekt prüfen, bevor Sie es freigeben.

1 Überblick

Ein Abnahmetestplan beschreibt, wie der Auftraggeber prüft, ob ein fertiges Webprojekt das leistet, was bestellt wurde, und unter welchen Bedingungen er es abnimmt. Er wird vor Beginn der Tests geschrieben und von beiden Seiten bestätigt. Sein Nutzen: Die Abnahme ist dann kein Gefühl mehr („sieht eigentlich gut aus“), sondern ein Ergebnis, das jeder nachvollziehen kann. Das schützt Sie davor, etwas Unfertiges freizugeben, und den Dienstleister davor, dass die Freigabe nie kommt.

Was der Plan enthalten muss

  • Umfang. Welche Teile des Projekts geprüft werden und welche nicht, mit Verweis auf das Pflichtenheft oder die User Storys, aus denen die Tests abgeleitet sind.
  • Testumgebung. Wo getestet wird, mit welchen Daten, in welchen Browsern und auf welchen Geräten.
  • Rollen. Wer testet, wer Fehler entgegennimmt, wer sie behebt, und die eine Person, die die Abnahme erklärt.
  • Zeitplan. Testzeitraum, Zeit für Korrekturen und Termin für den Nachtest.
  • Testfälle. Jeweils mit Kennung, Voraussetzung, nummerierten Schritten und einem erwarteten Ergebnis, das nur „bestanden“ oder „nicht bestanden“ zulässt.
  • Fehlerklassen. Üblich sind drei: verhindert die Nutzung, behindert die Nutzung, Schönheitsfehler. Mit Beispielen.
  • Abnahmekriterien. Die Regel, nach der über die Abnahme entschieden wird, in Zahlen ausgedrückt.

Gute Testfälle schreiben

Ein Testfall folgt einer echten Aufgabe von Anfang bis Ende: Eine Kundin bucht einen Kurs, ein Mitarbeiter exportiert eine Liste. Schreiben Sie ihn so, dass ihn jemand ausführen kann, der das System noch nie gesehen hat. Das erwartete Ergebnis muss sich beobachten lassen: „Die Bestätigungs-E-Mail trifft innerhalb von 2 Minuten ein und nennt Kurs und Termin“ lässt sich prüfen, „die Buchung funktioniert gut“ nicht. Nehmen Sie auch Fälle auf, in denen etwas nicht möglich sein darf, etwa die Buchung eines ausgebuchten Kurses, und Fälle für typische Bedienfehler wie ein leeres Pflichtfeld. Lassen Sie die Menschen testen, die später mit dem System arbeiten. Ihnen fällt auf, was in der Projektleitung niemand bemerkt.

Häufige Fehler

  • Der Plan entsteht erst nach der Lieferung. Dann beschreiben die Tests, was gebaut wurde, nicht was bestellt war.
  • Geprüft wird nur der Normalfall. Fehler stecken in Fehlermeldungen, Berechtigungen und Grenzfällen.
  • Testfälle haben keinen Bezug zur Anforderung. Jeder Fall sollte auf eine Anforderung verweisen; eine Anforderung ohne Testfall bleibt ungeprüft.
  • Als Abnahmekriterium steht „fehlerfrei“ im Plan. Fehlerfreie Software gibt es nicht, und das Wort lädt zu endlosen Diskussionen ein. Legen Sie fest, wie viele Fehler welcher Klasse offen bleiben dürfen.
  • Neue Wünsche werden als Fehler gemeldet. Was nie beschrieben war, ist eine Änderungsanfrage und wird gesondert geschätzt und beauftragt.
  • Für Korrekturen und Nachtest ist keine Zeit eingeplant.
  • Getestet wird nur mit den Beispieldaten des Dienstleisters. Verwenden Sie realistische Daten, auch lange Namen, Umlaute und große Listen.

Nach dem Test

Halten Sie jeden Durchlauf mit Testperson, Datum und Ergebnis fest, bei Fehlern mit Bildschirmfoto und den ausgeführten Schritten. Am Ende unterschreibt die verantwortliche Person ein kurzes Abnahmeprotokoll, das die noch offenen Fehler mit Termin nennt. Die Abnahme hat rechtliche Folgen, häufig hängen die Schlusszahlung und der Beginn von Gewährleistungsfristen daran. Was eine Abnahme unter Vorbehalt oder eine Verweigerung in Ihrem Vertrag bedeutet, klären Sie im Zweifel vor der Unterschrift mit einer Anwältin oder einem Anwalt.

2 Beispiel

Der erfundene Plan regelt die Abnahme eines Kursbuchungsportals für eine Sprachschule. Unternehmen, Personen, Termine und Zahlen sind ausgedacht, von den zwölf Testfällen sind fünf abgedruckt.

Abnahmetestplan Kursbuchungsportal

Auftraggeber: Sprachschule Wellenried
Auftragnehmer: Studio Quendelgrund
Fassung 1.0, abgestimmt am 6. November 2026

1. Umfang

Geprüft werden: Kurssuche und Online-Buchung, Teilnehmerkonto, Kursverwaltung für Mitarbeitende, Rechnungsversand per E-Mail. Grundlage ist das Pflichtenheft in Fassung 1.4, Abschnitte 3 bis 6.
Nicht geprüft werden: die bestehende Website und die Anbindung an die Buchhaltungssoftware, die in einer späteren Stufe folgt.

2. Testumgebung

Testsystem mit 25 erfundenen Kursen und 60 erfundenen Teilnehmerkonten. Browser: aktuelle Versionen von Chrome, Firefox und Safari am Rechner, dazu ein Android-Telefon und ein iPhone.

3. Rollen

  • Annegret Tolksdorf, Geschäftsführung: entscheidet über die Abnahme und unterschreibt das Protokoll
  • Jannis Brömmel, Kursverwaltung: testet Kursverwaltung und Wartelisten
  • Mirela Dankwart, Buchhaltung: testet Buchung, Teilnehmerkonto und Rechnungen
  • Ole Hagenkötter, Projektleitung beim Auftragnehmer: nimmt Fehlermeldungen entgegen und plant Korrekturen, testet nicht selbst

4. Zeitplan

  • Test: 16. bis 20. November 2026
  • Korrekturen durch den Auftragnehmer: 23. bis 26. November 2026
  • Nachtest der nicht bestandenen Fälle: 27. und 30. November 2026
  • Entscheidung über die Abnahme: 2. Dezember 2026

5. Testfälle (Auszug)

AT-01 Kurs buchen. Voraussetzung: nicht angemeldet.
- Schritt 1: Kurssuche öffnen und nach „Spanisch A1“ filtern
- Schritt 2: einen Kurs mit freien Plätzen wählen, Name, Anschrift und E-Mail-Adresse eingeben
- Schritt 3: Buchung verbindlich abschicken
- Erwartet: Die Bestätigungsseite nennt Kurs, Starttermin und Preis; innerhalb von 2 Minuten trifft eine E-Mail mit denselben Angaben und der Rechnung als PDF ein

AT-03 Ausgebuchter Kurs. Voraussetzung: Ein Kurs mit 12 Plätzen hat 12 Buchungen.
- Schritt 1: diesen Kurs aufrufen und buchen wollen
- Erwartet: Statt der Buchung wird die Warteliste angeboten; es entsteht keine 13. Buchung

AT-05 Pflichtfelder.
- Schritt 1: das Buchungsformular ohne E-Mail-Adresse abschicken
- Erwartet: Das Formular wird nicht gesendet; am Feld steht ein Hinweis, welche Angabe fehlt

AT-08 Buchung stornieren. Voraussetzung: als Teilnehmerin mit einer Buchung angemeldet, Kursbeginn in mehr als 14 Tagen.
- Schritt 1: unter „Meine Kurse“ die Buchung stornieren
- Erwartet: Die Buchung ist als storniert gekennzeichnet, der Platz ist wieder frei, die erste Person auf der Warteliste erhält eine E-Mail

AT-10 Berechtigungen. Voraussetzung: als Kursleitung angemeldet.
- Schritt 1: die Teilnehmerliste eines eigenen und eines fremden Kurses öffnen
- Erwartet: Die eigene Liste wird angezeigt, die fremde nicht; Rechnungsdaten sind in keiner Liste sichtbar

6. Fehlerklassen

  • Klasse 1: Eine Kernaufgabe lässt sich nicht abschließen, Daten gehen verloren oder werden Unbefugten angezeigt
  • Klasse 2: Eine Aufgabe lässt sich nur über einen Umweg abschließen
  • Klasse 3: Schönheitsfehler wie Abstände oder Tippfehler

7. Abnahmekriterien

Das Portal gilt als abgenommen, wenn alle 12 Testfälle ausgeführt und protokolliert sind, kein Fehler der Klasse 1 offen ist, höchstens 2 Fehler der Klasse 2 offen sind und jeder davon einen vereinbarten Termin hat, und die Fehler der Klasse 3 im Protokoll aufgeführt sind. Wünsche, die nicht im Pflichtenheft 1.4 stehen, werden als Änderungsanfragen erfasst und berühren die Abnahme nicht.

3 Für wen das relevant ist

Projektleitung

Sie bekommen eine Gliederung für die Testphase mit Umfang, Rollen, Zeitplan, Fehlerklassen und einer Abnahmeregel in Zahlen. So wird das Projektende planbare Arbeit statt einer offenen Feedbackrunde.

Gründerinnen und Gründer

Sie sehen, was Sie prüfen sollten, bevor Sie ein Webprojekt freigeben und die Schlussrechnung bezahlen, und wie Sie einen echten Fehler von einem neuen Wunsch unterscheiden, der ein eigenes Angebot braucht.

Betriebsleitung

Sie erfahren, wie Sie Ihr Team als Tester einsetzen: mit Testfällen aus dem Arbeitsalltag, klaren Schritten und einem Ergebnis, das sich ohne technische Kenntnisse als bestanden oder nicht bestanden festhalten lässt.

4 Fragen und Antworten

Wer schreibt den Abnahmetestplan, Auftraggeber oder Dienstleister?

Den Entwurf kann jede Seite liefern, bestätigen müssen ihn beide, und zwar vor Testbeginn. In der Praxis entwirft oft der Dienstleister Gliederung und Testfälle aus dem Pflichtenheft, der Auftraggeber ergänzt Fälle aus dem Arbeitsalltag und legt die Abnahmekriterien fest. Testen sollten die eigenen Leute des Auftraggebers, denn die Abnahme ist seine Entscheidung.

Wie viele Testfälle braucht ein Webprojekt?

So viele, dass jede vereinbarte Anforderung mindestens einmal geprüft wird, dazu die wahrscheinlichsten Fehlersituationen. Eine sinnvolle feste Zahl gibt es nicht. Ein kleines Buchungsportal kommt vielleicht mit 10 bis 20 Fällen aus, ein Shop mit mehreren Rollen braucht deutlich mehr; diese Zahlen sind nur eine Veranschaulichung.

Was passiert, wenn nach der Abnahme noch ein Fehler auftaucht?

Das richtet sich nach Ihrem Vertrag und dem geltenden Recht. Viele Verträge sehen eine Frist vor, in der der Dienstleister Mängel ohne zusätzliche Vergütung behebt; für alles Spätere kann ein Wartungsvertrag greifen. Führen Sie bekannte offene Fehler im Abnahmeprotokoll auf, damit sie nicht verloren gehen. Fragen zu Ihren Rechten beantwortet eine Anwältin oder ein Anwalt.

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Das Beispiel auf dieser Seite ist zur Veranschaulichung erfunden. Unternehmen, Personen und Zahlen sind fiktiv.

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